Kindergarten Felsberg

SPIELERISCHER PAVILLON ALS TEIL DES ENSEMBLES. Das Leitbild des Entwurfsvorschlags für den neuen Kindergarten Fels- berg sieht einen zeitgemäßen Holzpavillon vor, der die qualitätvollen Innenräume spielerisch und stark mit dem attraktiven Außenraum verwebt. Seine prägnante städtebauliche Kubatur ergänzt das Ensemble der Drei-Burgen-Schule geschickt um einen weiteren Baustein. Der Pavillon und seine umfließende Landschaft werden zu einer eigenen Welt für die Kinder, die sich zu allen Himmelsrichtungen hin offen zeigt und ihren spiele- rischen Charakter über eine vorgelagerte, multifunktionale Fassade nach Außen trägt.
Der konstruktiv gelöste Hochwasserschutz verleiht dem Pavillon durch die Einbettung in eine Spielhügel Landschaft einen leichten, schwebenden Charakter.
EINGÄNGE UND PLÄTZE GESTALTEN. Die Adressbildung erfolgt im Südosten des Grundstücks über einen einladenden Eingangsplatz, der durch fußläufige Verbindungen mit den umliegenden Parkplätzen der Schule und des Freibads verknüpft wird. Die Erschließung erfolgt vor allem durch Fahrrad- und Fußgängerverkehr. Dieser wird mit überdachten Fahrradstellplätzen nahe des Haupteingangs aufgefangen. Für den motorisierten Verkehr befinden sich zudem acht Stellplätze am Rande des Vorplatzes. Die beiden behindertengerechten Stellplätze befinden sich nahe der Rampe, über die das Gebäude barrierefrei erschlossen wird. Die Vorzone des Haupteingangs wird akzentuiert durch eine Sitzinsel, ausla- dende Vegetation, sowie der Rampe und Eingangstreppe, die beide in Gräser- und Kräuterpflanzungen eingefasst werden. Dies verleiht den beiden Aufgängen einen wogenden Charakter, der willkommen heißt und zudem erste Chancen für spannende Versteckspiele der Kindergartenkinder bietet. Während die Vegetation für die Kinder zu einer visuellen Barriere wird, die zum Spielen anregt, behält die Aufsichtsperson den visuellen Überblick.
GRÜNRAUM FÜR ALLE. Durch die mittige Platzierung des klaren, quadratischen Baukörpers im Süden des Grundstücks entsteht ein fließender Außenraum, der den Kindergarten umgibt und von allen Seiten des Gebäudes zugänglich ist. Das Gelände ist mit einem Zaun eingefriedet, der mit Durchgängen in Form von Doppeltoren versehen und in Vegetation eingebettet ist, um eine weiche, visuelle, sowie auditive Barriere zum Schulgelände und in Richtung des Campingplatztes zu gewährleisten. Der Außenraum gliedert sich in den Freibereich der Kita im Nord-Westen, den Freibereich der Krippe im Nord-Osten, einem Naschgarten und Ruhebereich im Süden sowie einem ‚shared space‘ im Norden. Dieser beherbergt einen Volleyballplatz als Bestandsersatz und ist sowohl von der Schule als auch vom Kindergarten aus über Doppeltore zu erreichen. Die Außenräume des Kita- und Krippenbereichs sind voneinander getrennt, sodass eine altersgerechte Ausstattung und Erschließung erfolgt.
KLARE ORGANISATION. Die innenräumliche Organisation folgt einer klaren Struktur, welche die unterschiedlichen Raumgruppen in verschiedene Zonen einteilt. So befindet sich in der westlichen Raumspange die Kita, in der nordöstlichen die Krippe, in der südöstlichen die Tagespflege mit seperatem Zugang über den Windfang und dazwischen, in der mittleren Gebäudespange die gemeinschaftlich genutzten Bereiche. Der Haupteingang im Südosten wird vom Kita-Büro, dem Elterntreff und dem Personalraum flankiert. Die mittlere Raumspange teilt sich auf in Kreativräume im Norden mit angrenzendem Nebenraum-Kern sowie Küche und Mehrzweckraum im Süden. Letztere ordnen sich Richtung Haupt- eingang und Straße an. Sie sind so bei (externen) Veranstaltungen leicht zu erreichen und zu separieren. Die Küche kann sowohl über den Haupteingang, als auch über die vorgelagerte Spielpergola angeliefert werden. Kita und Krippe bestehen aus einem sich wiederholenden Raumcluster: Eine gemeinsame Vorzone mit Garderoben und direktem Zugang zur Stiefelschleuse verteilt die Kindergartenkinder in jeweils zwei Gruppenräume mit anschließendem Ruheraum und Sanitärbereich. Alle Räume können zueinander und von der Garderobenzone aus erschlossen werden.
Die verschiedenen Raumcluster gruppieren sich um den gemeinsamen Patio, der das Zentrum des Kindergartens bildet.
PATIO ALS HERZSTÜCK UND AKTIONSFLÄCHE. Der Innenhof verknüpft die unterschiedlichen Bereiche des Innenraums visuell miteinander und erleichtert so den Überblick für Kinder und Aufsichtspersonen. Durch seine Geometrie zoniert er zudem den umlaufenden Flur, weitet diesen an prägnanten Schnittstellen zu spannenden Spielbereichen auf und verleiht ihm so eine hohe Aufenthaltsqualität. Auch im Bereich des Mehrzweckraums und der Küche weicht der Patio zurück, sodass eine großzügige Aufweitung des Flurs entsteht, die multifunktional als Ess- bereich und Erweiterung des Mehrzweckraums bespielt werden kann. Durch Schiebeelemente in der Patio-Fassade können Innenräume flexibel dem ebenengleichen und geschütztem Außenraum zugeschalten werden. Der Patio bietet so neben sehr guter Belichtung der Innenzonen auch die Möglichkeit die Gruppenräume quer zu belüften.
AUSSENRAUM AUF MEHREREN EBENEN. Durch den terrassenartigen Innenhof und eine umlaufende Spielpergola entstehen zwei attraktive, niveaugleiche Außenbereiche. Die Spielpergola ist zudem von jedem Gruppen-, Kreativ- sowie Mehrzweckraum unmittelbar zugänglich. Da das Gebäude aufgrund des Hochwasserschutzes auf +1.0m hochgesetzt wurde, gilt es, diesen Geländesprung elegant und natürlich zu über- brücken. So ruht der Holzpavillon auf mehreren Hügeln, welche zwischen den Höhenlagen vermitteln. Die modellierten Hügel sind größtenteils entlang des Gebäudes angeordnet, fassen z.B. die Rampenanlage des Haupteingangs und Treppen zum Freibereich ein. Mehrere Spielhügel formen das sonst ebene Gelände und erzeugen Spannung. Spielmulden erfüllen durch ihre negative Topografie die Funktion von Retentionsflächen. Sowohl die topografischen Elemente, als auch die überdachte Spielpergola mit ihrer transparenten, durchlässigen Holzfassade schaffen einen nahtlosen Übergang zwischen Innen und Außen.
SPIELFASSADE UND SPIELLANDSCHAFT. Der raumhaltige, vorgelagerte Fassadenvorhang interagiert durch spielerisch gesetzte Öff- nungen in verschiedenen Maßstäben (Kinder und Erwachsene) mit den Hügeln des Außenraums. Die Öffnungen artikulieren sich als Halbkreise mit unterschiedlichen Radien und Funktionen. Die Öffnungen sind abwechslungsreich und dienen mal als Eingangstor, Zugang zum Garten, gerahmter Ausblick, Durchlass zur Hangrutsche und Matschanlage, mal als Zugriff zum Hochbeet oder als Schaukelaufhängung. Die überdachte Pergola wird so zur Spielfassade, wirkt raumgreifend und dient zudem als konstruktiver Sonnenschutz, Absturzsicherung und Fluchtweg. Durch die Spielelemente der Pergola, die in den Freibereich münden, entsteht eine weitere Verschmelzung zwischen Topografie und Gebäude, zwischen Innen und Außen. Die Spielflächen im Außenbereich stimulieren durch ihre Ausstattung und Beschaffenheit alle Sinneswahrnehmungen, regen also visuelle, haptische, olfaktorische, geschmackliche und auditive Reize an. Visuell geschieht dies unter anderem durch eine Akzentfarbe, die sich durch das Gelände zieht und so markierend wirkt.
Die aktiven Spielbereiche mit Fallschutzsand sind in einer großzügigen Wiesenfläche eingebettet. Sie halten Kletterspiele, Korb-oder Doppelschau- keln und Balancierbalken aus Robinienstämmen bereit, welche sich in das naturnahe Bild einfügen und die motorischen und koordinativen Fähig- keiten der Kinder fördern. Sowohl im Kita- als auch Krippenbereich ist eine Asphalt-Rollerbahn für Bobbycars bzw. Laufräder eingerichtet. Damit es an schmalen Stellen nicht zu Kollisionen kommt, wird ein Aushandlungsprozess zwischen den Kindern notwendig. So werden kommunikative
Prozesse gefördert. Die Bestandsfindlinge werden als Teil der Einfassung für die Rollerbahn wiederverwendet. Die aktive Gestaltung und Modellie- rung der Umwelt geschieht durch Sand- und Matschspiele. So sind alle vier Elemente in die naturnahe Gestaltung einbezogen: Das Element Wasser bei der Matschanlage mit Wasserpumpe, das Element Erde durch die spannungsgeladene Topografie, welche, einmal auf der Hügelkuppe angekom- men, das Element Wind erlebbar macht und nicht zuletzt das Element Feuer, das in Form einer Feuerstelle zur Geltung kommt.
Alle Spielelemente fördern das eigenständige Erschließen und autonome Spielen und Entdecken. Ein besonderes Augenmerk liegt darauf, Bewegungsanreize zu schaffen. Diese werden besonders durch die modellierten Spielhügel und topografischen Erlebnisse erreicht, die zum Erkunden und Erklimmen dieser Erhöhungen einladen. Höher, schneller, weiter hier sind Motorik, Autonomie und Erkundungslust gefragt.Aufenthalts-, Rückzugs- und Ruhebereiche sind mit Hängematten und Spielhäuschen ausgestattet und meist durch Vegetation eingefasst. Die Tribüne aus liegenden Robinienstämmen im Norden bieten zusätzlichen Raum für ein ‚grünes Klassenzimmer/Amphitheater‘. Für ausreichende Beschattung ist in Form von Sonnensegeln und Baumkronen gesorgt.
KONSTRUKTION. Der Neubau der Kindertagesstätte ist als eingeschossiges Gebäude in Holzbauweise mit klar strukturiertem Tragwerk konzipiert. Die Dachdecke ist als Holzbalkendecke mit Zwischen- und Aufsparrendämmung vorgesehen, wobei zur Erzielung der am Gebäuderand geplanten Deckenauskragung senkrecht zur Hauptspannrichtung querverlaufende separate Sparren ausgeführt werden. Sämtliche Wände werden als Brettsperrholzmassivwände erstellt, die neben einer oberflächenfertigen Ausbildung aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades einen terminlich optimierten Bauablauf gewährleisten. In Bereichen mit aufgelösten Tragachsen werden Brettschichtholzbalken als Unterzüge auf Massivholzstützen angeordnet. Die Gründung erfolgt auf einer elastisch gebetteten Stahlbetonbodenplatte, die auf einem Bettungspolster aus lagenweise verdichteten Material aufliegt. Der Höhenversatz des Erdgeschossniveaus zum umliegenden Gelände wird über U-Schalenelemente aufgenommen, die aufgrund der großen möglichen Stückzahl gleicher Elemente wirtschaftlich als Stahlbetonvollfertigteile ausgeführt werden. Gleichzeitig bietet diese robuste Konstruktion Schutz vor möglichen Überschwemmungen.
MATERIALITÄT UND NACHHALTIGKEIT. Das Materialkonzept des Enwurfsvorschlags folgt mit dem Einsatz von nachwachsenden und recyclebaren Rohstoffen dem Grundstatz der nachhaltigen Gebäudekonstruktion. Materialien und deren Haptik spielen in der frühen Kindphase
eine große Rolle und es wird darauf geachtet schadstofffreie Oberflächenbehandlungen zu realisieren und so das Raumklima bestmöglich zu garantieren. Die Pergolazone schafft durch ihre Überdachung einen konstuktiven Sonnenschutz, welcher mit flexibel fahrbaren Textilscreens hinter der äußersten Ebene ergänzt wird. Dies ermöglicht die Gruppenräume nach Außen zu öffnen und trotzdem die Kinder vor direkter Sonne zu schützen. Durch zu öffnende Elemente in der Patiofassade, sowohl raumhoch als auch als kippbare Oberlichter, kann eine Querlüftung der Räume erfolgen und so auf eine gesteuerte Gebäudeklimatisierung verzichtet werden.
Das Dach wird extensiv begrünt, was eine gute Niederschlagswasser-Rückhaltung und Verdunstungskälte an sehr heißen Tagen ermöglicht.Das Substrat soll mit Gräsern und Blumen durchmischt werden, um der Dachfläche die Anmutung einer Sommerwiese zu verleihen und den lokalen Insektenbestand zu fördern.Durch umseitige Anordnung von Photovoltaik- und Solarthermiepaneelen auf dem Dach kann Strom- und Warmwasseraufbereitung für das gesamte Gebäude ermöglicht werden. Die Fußböden können mit dieser Technik und dem Einsatz einer Wärmepumpe als zusätzlicher Energiegewinnung sowohl im gleichen System beheizt, als auch bei Bedarf gekühlt werden.
RAUMBILDENDE VEGETATION. Im gesamten Außenraum gilt das Prinzip der naturnahen Gestaltung und der Raumbildung durch Ve- getation. Pflanzflächen mit Kleinsträuchern und Bodendeckern betten das zu beplanenden Gelände ein und schaffen Mikroräume für kleine Verstecke und Rückzugsorte, Makroräume für Spiel und Bewegung. Diese räumliche Gliederung und Verstecktheit fördert zudem das Gefühl, geborgen und zuweilen unbeobachtet zu sein und räumt die Möglichkeit des autonomen Spielens und Rollenspielens ein. Die Makroräume sind durch großflächigere Wiesenbereiche gekennzeichnet und daher schneller einzusehen. Für eine akzentuierte, charakterstarke Pflanzung sorgen auf dem gesamten Gelände – wie auch bei der eingangs beschriebenen Rampe – sanft schwingende, raumbildende Gräser- und Kräutermischungen (wie zum Beispiel Thymian, Lavendel, Zitronenmelisse, Minze, Salbei, Segge, Chinaschilf u.v.m.).Diese betonen zudem den filigranen, schwebenden Charakter des Gebäudes und sind vielseitig, beispielsweise als Bastelmaterial, Duftsäckchen, Arzneitee und als Erfrischungsbeigabe in der Wasser- karaffe, einsetzbar.
BAUM- UND STRAUCHPFLANZUNGEN. Die schon vorhandene Obstbaumallee entlang der Straße wird durch weitere Obstgehölze ergänzt. Auch innerhalb des Geländes kehrt die Pflanzung von Obstgehölzen vereinzelt wieder. Weitere raumbildende Gehölze, wie die Ess-Kastanie, spenden ebenfalls mit ihrer ausladenden Krone Schatten und tragen wiederum Früchte, welche beispielsweise zum Verzehr und Bastelspaß geeignet sind. Einen besonderen pädagogischen Aspekt bilden zudem ‚Nasch-Sträucher‘ in Form von essbaren Obststräuchern, die über das Gelände verteilt gepflanzt sind. Anknüpfend an die im Süden gelegene Küche schließt sich ein Naschgarten mit weiteren essbaren Obststräuchern an. Außerdem befinden sich dort zwei Hochbeete, die in das Gelände eingefasst sind und einerseits durch Hangstufen von unten oder über die Pergola des Ge- bäudes von oben erschlossen werden. Hier befinden sich Kräuter- und Gemüsebeete. So entsteht zusätzlich ein umfassender, botanischer Lehrpfad. Für eine weitere ökologisch wertvolle und nachhaltige Gestaltung sorgen die Dachbegrünungen des Hauptgebäudes und die der oberhalb der Parkplätze gelegenen Nebengebäude der Mülleinfriedung und des Kinderwagenraums. Letztere sind zudem mit Fassadengrün eingefasst. Dies rundet das Bild eines durch und durch naturnahen Außenraums ab und wirkt zugleich als visueller Ausgleich für den gepflasterten Vorplatz.

in Kooperation

Architekturbüro Dorbritz Conzeptbau GmbH

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