Heinrich Schliemann Gymnasium

In Arbeitsgemeinschaft mit:

Prof. Johannes Kappler, Architektur und Städtebau GmbH

Treibhaus, TH Landschaftsarchitektur Hamburg

Ein urbanes Haus des Lernens
Das Ziel des Bebauungsvorschlags ist es, mit einem prägnanten urbanen Schulhaus den Stadtrand der Fürther Innenstadt zu komplettieren und gebäudetypologisch das pädagogische Konzept der Schule idealtypisch abzubilden, um ein optimales Lern- und Arbeitsumfeld zu schaffen.
Städtebauliche Setzung
Das neue Schulhaus besetzt als kompakter, fl ächeneffi zienter Baukörper die südwestliche Ecke des Entwurfsgrundstück in direktem Anschluss an die bestehende Altstadt, sodass der Landschaftsraum entlang der Pegnitz bestmöglich geschützt wird und weiterhin als öff entlicher Raum den Fürther Bürgerinnen und Bürgern erhalten bleibt. Durch die Aufnahme von räumlichen Bezügen tritt der neue Stadtbaustein auf vielfältige Weise in direkten Dialog mit seiner Nachbarschaft. Seine differenzierte plastische Ausformulierung etabliert eine präzise Verbindung sowohl um Sozialrathaus, zur Wolfsgrubermühle als auch zum bestehenden Stadtrand entlang der Henri-Dunant-Straße. Hierdurch gelingt es, dass sich der Baukörper auf selbstverständliche Weise als Solitär in die Umgebung maßstäblich einfügt und aus einem diffusen Umfeld ein markantes Entree in die Fürther Innenstadt entsteht.
Gebäudetypologische Organisation
Die aus der städtebaulichen Situation abgeleitete Ausformulierung des Baukörpers entspricht der gewünschten Organisation des Hauses. Jede Geschossebene des Gebäudes wird als zusammenhängender Funktionsbereich wahrgenommen. Gleichzeitig bilden sich jedoch die einzelnen Klassenraumgruppen, Fachklassengruppen, Mehrzweckräume, Ganztags- und Verwaltungsbereiche als eigenständige Zone ab, die von Durchgangsverkehr freigehalten sind. Sie gruppieren sich jeweils um ein zentrales, natürlich belichtetes Atrium mit Markplatz, das zusammen mit der großzügigen Treppenanlage für eine attraktive Vernetzung zwischen allen Raumgruppen in vertikaler Richtung sorgt. In den unteren Geschossen befi nden sich die öffentlicheren Bereiche, die von einem direkten Bezug zum Außenraum profitieren und den Niveauunterschied zwischen der Henri-Dunant-Straße und der Mühlstraße als zusammenhängendes Raumkontinuum überbrücken. Darüber folgen die Klassenraumgruppen mit den einzelnen Lernclustern. Diese Struktur kann flexibe sowohl nach dem ,Klassenraumprinzip‘ als auch nach dem ,Lehrerraumprinzip‘ ausgelastet werden.
Freiräumliche Einfügung
Auch für die Gestaltung der Freiräume bietet der Baukörper optimale Voraussetzung. Mit seinen Raumkanten und offenen Fassaden generiert er attraktive Vorderseiten sowohl zum Landschafstraum als auch zur Innenstadt.Der Baukörper definiert drei Freiräume mit unterschiedlichen Aufgaben, Angeboten und Atmosphären:
Schulplatz, Schulhof, Schullandschaft.
An der Henri-Dunant-Straße weitet sich der Schulplatz als Vorraum und Eingangsbereich. Hier kommt man an, trifft und informiert sich. Darüber hinaus mündet der sich perspektivisch öff nende Raum entlang der Mühlstraße in den Schulhofbereich, der durch die Abwicklung des Baukörpers eine räumliche Fassung erfährt. Zwischen dem neuen Schulhaus und der Wolfsgrubermühle bildet sich ein Stadtraum, in dem das Naturmonument der Bestandseiche auf besondere Weise in Szene gesetzt wird. Der Schulhof ist ein befestigter Bewegungs- und Aufenthaltsraum und wird atmosphärisch maßgeblich von der alten Eiche geprägt. Diese wird geschützt und in eine grüne Insel mit einem Rand als informelle Sitzmöglichkeit in die Gestaltung integriert. Neben dem auf dieser Ebene liegendem Eingang bietet eine Tribüne an der Hauswand zusätzliche Möglichkeiten für Veranstaltungen, Klassenfotos oder Pausenaktivitäten. Der Schulhof ist gleichzeitig eine Wegeschnittstelle von der eine neue Brücke über die Pegnitz führt.
Im Osten verschmilzt das Schulgelände mit dem Landschaftsraum der Pegnitz zur Schullandschaft. Der Grünraum am Fluss wird bis an den Neubau herangeführt und mit Angeboten für die Schüler überlagert. Aktions- und Bewegungsräume für die Schüler und der Schulgarten werden in den durch Wiesen und Bäume geprägten Raum integriert. Im Landschaftsraum wird eine Wegeverbindung an der Pegnitz geschaffen an die feingliederige Pfade anknüpfen.

Gestalterische Anmutung
In seiner äußeren Erscheinung artikuliert sich das neue Stadthaus als offener, urbaner Stadtbaustein. Aufgrund der exponierten Lage am Eingang zu steinernen Fürther Innenstadt werden Bezüge zum unmittelbar angrenzenden Kontext durch die Material- und Farbwahl aufgebaut. Großzügige Fensterflächen wechseln sich in einem regelmäßigen Rhythmus mit geschlossenen Wandflächen ab. Auf diese Weise profitieren die optimal belichteten Klassenzimmer auf der einen Seite durch attraktive Ausblicke in den Landschaftsraum der Pegnitz, auf der anderen Seite erhält das Gebäude eine urbane Identität, die es deutlich von konventionellen Schultypen in Neubaugebieten unterscheidet.
Mit seinen Eigenschaften kann das neue Schulhaus ein Pilotprojekt für einen zukunftsfähigen und ressourcenschonenden Schulbau werden und zukünftigen Nutzerinnen und Nutzern ein attraktives Zuhause mit einem einzigartigen Raumerlebnis bieten.

www.johanneskappler.de

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