Datev

Geladener Realisierungs Wettbewerb/ Nürnberg

In Arbeitsgemeinschaft mit:

Prof. Johannes Kappler, Architektur und Städtebau GmbH

Treibhaus, TH Landschaftsarchitektur Hamburg

Der Neubau als Teil eines DATEV-Campus

Ziel des Bebauungsvorschlags ist es, den DATEV-Standort an der Nürnberger Stadtgrenze in eine zusammenhänge Campusanlage zu transformieren, die das bestehende Produktions- und Verwaltungsgebäude (DATEV III) und das Service-Center (IV) in ein Gesamtensemble integriert. Die einzelnen Gebäudekomplexe funktionieren städtebaulich als autonome Einheiten mit einer eigenen Entstehungsgeschichte, treten aber über eine zusammenhängende Freiraumgestaltung mit direkten Wegebeziehungen in einen Dialog.

Der Neubau mit Punkthäusern für die Büroarbeitsplätze in den Homezones und einem zweigeschossigen Verbindungsbaus orientiert sich mit seinen einzelnen Bestandteilen an der heterogenen Körnung der Umgebung, ergibt aber als Gesamtkomposition einen prägnanten, selbstbewussten Baustein im Gewerbeareal. Zudem ermöglich die Komposition ein Feld aufzuspannen, dass die unregelmäßige Geometrie des Grundstücks optimal ausnutzt, ohne städtebauliche Rückseiten oder Restflächen entstehen zu lassen. Auch das Parkhaus lässt sich in diese Struktur als selbstverständlicher Baustein integrieren.

Das Freiraumkonzept für den DATEV-Campus

Square

Der Datev Platz ist der repräsentative Eingang und die Visitenkarte des Unternehmens an der Vershofenstraße. Auf dem hochwertig befestigten, Teils baumbestandenen Platz treffen sich die Mitarbeiter vor und nach der Arbeit, und es werden Besucher empfangen.
Ein neuer Weg verbindet den Eingang der bestehenden Gebäude mit dem Neubau. Eine Vorfahrt für Busse, Taxis und Drop-off sowie Fahrradabstellplätze sind in die Platzgestaltung integriert.

Frame

Der Rahmen ist grüner Erholungsraum für die Mitarbeiter (optisch wie physisch) und bildet gleichzeitig eine Art grüne Infrastruktur für den Neubau und integriert die erforderlichen Ersatz- und Ausgleichflächen. Er dient als eine Art Klimapuffer entlang der Proeslerstraße und bietet durch eine artenreiche Bepflanzung mit einheimischen Sträuchern und Gehölzen auch Rückzugs- und Lebensraum für die Tierwelt. Das anfallende Regenwasser wird im Frame gesammelt, zurückgehalten und verdunstet. Besonderer Ort ist der mit Regenwasser gespeiste Naturteich an der Mensa-Außenterrasse. Auf der urbanen Seite an der Vershofenstraße verwandelt sich der FRAME in eine Fassadenbegrünung als Eyecatcher am Eingangsplatz.

Roof

Das DATEV-ROOF ist der erhöht liegende großzügige Freiraum, der die mehrgeschossigen Einzelgebäude verbindet und als nutzbaren Freiraum das flächige Erdgeschoss unter sich verschwinden lässt. Ein verzweigtes Wegesystem führt durch ein wogendes Gräser- und Staudenmeer und verbindet verschiedene Dachterrassen miteinander. Hier können Mitarbeiter ihre Pausen verbringen oder sich für Besprechungen im Freien verabreden. Es entstehen attraktive Arbeitsplätze mit Blick auf eine grüne Dachlandschaft.

Patios

In das verbindende Dach werden thematische PATIOS eingeschnitten. Die Höfe sind besondere, charakterstarke, teils intime Freiräume im Neubaukomplex. Sie zeichnen sich durch spezifische Themen und Nutzungsangebote aus (z.B. Ruhepatio, Cafépatio, Lernpatio, Kletterpatio usw.) und bieten durch eine prägnante Gestaltung Orientierung und dienen der Adressbildung.

Process

Die Freiraumgestaltung begleitet und gestaltet den Entwicklungsprozess der Areals. Die Fußabdrücke späterer Bauabschnitte werden durch schnell wachsende Gehölze vorgezeichnet, welche bei Baubeginn zu Energieholz verarbeitet werden kann. Die Organisation- und Umorganisation der erforderlichen Parkplatzflächen wird möglichst platzsparend und ressourcenschonend bewältigt.

Der Neubau als Stadt der kurzen Wege

Das Konzept für die Nutzungsverteilung berücksichtigt auf der einen Seite die durch das Sicherheitskonzept geforderte physische Trennung von einzelnen Bereichen, bietet aber durch eine vertikalen Stapelung vielfältige visuelle Beziehungen zwischen den öffentlichen, semi-öffentlichen und kontrollierten Nutzungseinheiten. Der großzügige Eingangsbereich ermöglicht eine klare Adressbildung an der Vershofenstraße. Über das repräsentative Foyer gelangt man in den Eventbereich, der die Herzkammer des Neubaus bildet. Der zentrale Eventbereich wird in der Sockelzone ringförmig von den übrigen Nutzungen des Mega-Hubs umhüllt. Richtung Süden schließt der Health-Bereich, Richtung Westen das Mitarbeiter-Casino und Richtung Norden der Konferenzbereich. Direkt über dem Eventbereich sind die Räumlichkeiten für das Executive Briefing und der Co-Working Space angeordnet. Sie zeichnen sich an zentraler Stelle als Volumen auf der Dachebene des zweigeschossigen Sockelbereichs ab. Die Lernwelten komplettieren im 1. Obergeschoss die personenreichen Sonderfunktionen des Gebäudes mit hohen Anforderungen hinsichtlich Logistik und Sicherheit. Insgesamt wird bei der Feinzonierung des Mega-Hubs der horizontalen Erschließung der Vorzug gegeben, um auf kurzem und direktem Wege spontane Kommunikation zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu fördern. Hierzu trägt auch der Tageslichtbezug der Räume zum Außenraum und zu den Patios im Gebäudeinneren sowie eine spannungsreiche Raumabfolge von Aufenthalts- und Erschließungsräumen bei.

Von der oberen Ebene im Sockelvolumen des Mega-Hubs erreicht man die Midi-Hubs der einzelnen Homezones. Die einzelnen Homezones sind als eigenständige Einheiten in vertikaler Richtung organisiert und durch einen großzügigen zentralen Luft-, Erschließungs- und Kommunikationsraum miteinander verbunden. Sie treten als Punkthäuser in Erscheinung und werden in den beiden Bauphasen als additive Elemente an den Sockelbereich angedockt. Ihre Grundfläche bietet die Möglichkeit flexible, situationsorientierte und kreativitätsfördernde Arbeitswelten von der Bürozelle bis zur offenen Bürolandschaft zu schaffen.

Der Neubau als rohedle Denkfabrik

Die Firma DATEV versteht sich als ein lokales Unternehmen, das traditionsbewusst am Nürnberger Standort verwurzelt ist, das aber gleichzeitig als IT-Dienstleister durch innovative Produkte aktiv die Zukunft gestaltet und sich als Arbeitgeber der optimalen Arbeitsqualität seiner Mitarbeiter verpflichtet fühlt. Dieser Anspruch findet seinen Ausdruck in einer Gestaltung, die das Entstehungsjahr des Gebäudes preisgibt aber zeitlos modern bleibt. Der neue Bürokomplex zeigt sich als offenes Haus. Der serielle Aufbau der Nutzungseinheiten mit einer Skelettstruktur aus Stahlbeton soll Assoziationen mit industriell gewerblichen Gebäudetypologien wecken, deren Gestaltung für die Branche der Kreativwirtschaft eine besondere Attraktivität hat.

Fassade

Die Fassade besteht aus vorgehängten Betonfertigteilen. Der Beton wird mit Kalkstein- sand und Kupferpulver angereichert und erhält so einen leicht changierenden, grünlichen Farbton. Durch den kupferhaltigen Zuschlagstoff erhält die Fassade eine zusätzlichen Witterungsschutz. Dank der klar strukturierten Elemente und eines hohen Vorfertigungsgrad lässt sich die Fassade zudem wirtschaftlich produzieren.
Zwischen dem vorgehängten Fertigteil und der tragenden Brüstung befindet sich die Dämmebene, welche hinterlüftet ausgeführt wird. Die Fensterelemente bestehen aus eloxiertem Aluminium in einem warmen Goldton und harmonieren so mit den veredelten Betonteilen. Die Fenster sind öffenbar und lassen somit eine natürliche Lüftung zu.

www.johanneskappler.de

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